Ruhewald Steimel

Ganz nach dem Motto: heute schon an morgen denken….. !!  Oder besser gesagt weil mein Göttergatte Markus Panik schiebt  :mrgreen: waren wir heute in Steimel. Markus überraschte mich gestern mit der Mitteilung das wir da heute hinfahren. Zunächst konnte ich mit Ruhewald ja nun garnichts anfangen bis er mir erklärte das es um die letzte Ruhestätte geht.  Ich wusste ja das er immer so seine Vorstellungen hat die nicht unbedingt in die Gedankenwelt konservativer Mitmenschen passt.  Auch ich habe das Thema immer weit von mir weggeschoben. Hatte meine eigenen Vorstellungen davon die nun absolut ganz und garnicht zu Markus passen und bei denen er das kalte grauen bekommt. Aber wie ich schonmal schrieb: durch meinen Schlaganfall, die Unfähigkeit selbst zu handeln, Hilfe zu brauchen, hat auch in mir einiges ausgelöst. Ich fand es furchtbar bei den simpelsten Dingen auf Hilfe von aussen angewiesen zu sein. Besonders ja dann wenn eben NUR die Gliedmassen betroffen sind und man im Kopf noch fit ist, aber eben nicht kann und einem der Körper nicht mehr gehorcht. Und genau  das und die Angst davor stürzt einen dann und wann ( gottseidank nur kurzzeitig) in depressive Phasen die einmal auch in einer Art Panikattacke endeten. An dem Abend überkam es mich dann und ich wollte schon den Autoschlüssel verstecken damit Markus nicht fahren kann. Ich hatte urplötzlich panische Angst das er nicht wieder kommt und bekam mich nur schwer in den Griff. Es blieb gott sei Dank nur bei dieser einen, denn ich will auch nicht das irgendwas von mir in gewisser weise Besitz ergreift.

Aber es zwingt einen auch zum nachdenken und ich fing an Markus zu verstehen das er sich schon länger darum Gedanken machte und Informationen einholte.  Anfangs sah ich es als Spinnerei an als er sich erkundigte ob man ihn nicht verbrennen kann, die Urne klauen kann und auf dem Gassiweg verstreuen kann. Für mich, die einen Platz brauch ( Grab), eine Horrorvorstellung. Wo verdammt soll ich dann hin ? Auch mit dem Verbrennen war ich lange lange nicht eins weil ich mir immer noch vorgestellt hab das er ( der Mensch an sich) es noch merkt.

Dann hatte er mir mal beschrieben wie er es sich wünscht. Verbrennen, keine Trauerreden bei denen erzählt wird welch guter Mensch er doch gewesen sei. Denn seiner Ansicht wird nirgendwo soviel gelogen wie auf Beerdigungen in solchen Reden. Er sagte mal : die, die mich kannten wissen wie ich war und die mich nicht kennen brauchen es auch nicht wissen. Trauerkleidung ? Die wollte er verbieten und wer so auftaucht könne nach Hause gehen. Ich meinte dann: ja klar, Jeans und T-Shirt was ? und zeigte ihm den Vogel  :mrgreen: Aber das war sein vollkommener Ernst. Musik ? Ja, aber bloss keine Orgelklänge oder kirchliche Lieder. Wenn dann: Genesis oder Pink Floyd, denn DAS ist er !!! Da dachte ich: jetzt dreht er ganz durch.

Davon mal abgesehen das ich mir ein Leben ohne ihn eh niemals vorstellen könnte und meine Hoffnung ist vor ihm das zeitliche zu segnen dachte ich damals: Jaja, erzähl du mal, ich mach dann schon… 😉

Tja, da hatte ich mich aber ziemlich getäuscht denn er überraschte mich eines Tages mit der Mittteilung das er nun nicht mehr der Kath. Kirche angehören würde sondern ausgetreten sei. Ausschlaggebend waren  wohl auch die Skandale um Kindesmissbrauch die ihm da noch den letzten Kick gegeben hatten es nun auch wirklich durchzuziehen. Zudem umgeht er seiner Ansicht nach so einer feierlichen Kirchlichen Bestattung die auch ich nicht durchsetzen könnte.

Ich weiß nicht mehr wen er alles angeschrieben hatte und mit verschiedenen Behörden diskutiert hat warum er nicht einfach so verstreut werden kann, warum Friedhofspflicht bzw. Bestatter  besteht. Grinsend sagte er immer: irgendwann schaffe ich es und setze meinen Willen und meine Vorstellung durch.

Und durch seine Diskussionen wurde er dann auf den Ruhewald aufmerksam und überraschte mich damit.

Heute waren wir dann dort. Und auch Mama der wir sagte wir fahr´n uns nen Baum aussuchen guckte ganz irritiert und plädiert dafür das Markus gefälligst noch 100 jahre wird und es jetzt viel zu früh sei an sowas zu denken. Ganz geheuer war mir das auch nicht, aber wenn ich daran denke das es auch bei mir hätte anders ausgehen können da auch mein Herz geschädigt ist, dann wird einem schon klar das  man sich irgendwann mit dem Gedanken auseinander setzen muss.

Heute dann die Führung war toll und sie traf eigentlich das was Markus sich für sich selbst gewünscht hat. An den Bäumen die noch frei sind befinden sich gelbe Bänder. Pro Baum gibt es 12 zu belegende Plätze im Uhrzeigersinn.  Kränze sind nicht gestattet was auch sinnvoll ist denn der Wald soll schon noch Wald bleiben.  Am Anfang des Ruhewaldes befindet sich ein kleiner Platz mit ein paar Bänken wo man eine kleine Trauerfeier abhalten kann, aber nicht muss.  Es kann ganz individuell gestaltet werden. Mit Musik ( z.B Geige oder Flöte) oder auch mit CD player und der Lieblingsmusik. Oder eben auch ganz ohne.  Oder auch mit Pfarrer – ohne Pfarrer – Trauerredner oder nur einer von der Familie der spricht. Völlig zwanglos. Und das allerwichtigste – da es im Wald stattfindet können auch Hunde dabei sein.  Am Fusse des ausgesuchten Baumes kann dann entweder der Pfarrer/Bestatter oder aber auch ein Familienangehöriger die verrottbare Urne einlassen. Ganz wie man es möchte.  Da verstanden wird das man als Angehöriger immer meint Blumen niederlegen zu müssen ist bei Besuchen des Baumes auch nur eine Blume gestattet. Alles andere wird beim täglichen Begehen der Gemeindearbeiter entfernt.

Wir waren dann auch sehr erstaunt wieviele Bäume schon belegt sind da es den Ruhewald erst seit 2008 gibt.  Und auch heute waren doch etliche interessierte bei den Führungen dabei, die auch danach nochmal durch den Wald gingen und sich ihren Baum aussuchten. Und auch wir gingen nochmal durch und schauten nach den gelben Bändern.  Fanden dann quasi unseren Baum, eine Buche mit der Nummer 136.

Und selbst ich, die immer eher auf feierliche Begräbnisse steht ( gerade wenns um Markus geht) konnte mich mehr und mehr damit anfreunden dort dann auch zu liegen.  Ich weiß das es im Falle das ich eher gehen würde es für Markus angenehmer wäre als ein Friedhof. Und für ihn selbst hätten sich annähernd alle seine Wünsche erfüllt.

Wie er ja auch sagt ist auch praktisch. Keine Grabplatten – Grabschmuck – der Druck der Leute ob jetzt der Angehörige auch das Grab ordentlich hält. Der RUN  aus den Friedhof weil man in Verzug ist und alle anderen schon gepflanzt haben.  Das erleben wir ja hier mit. Wir pflegen hier vier Gräber wovon zwei aber Platten haben und dennoch sitzt Mutter einem im Genick das ja auch immer frische Blumen drauf sind. Was sollen sonst die Nachbarn/ Dorfbewohner denken ?

Dort im Ruhewald stellt die Natur den Grabschmuck.

Je mehr ich darüber nachdenke je mehr kann ich Markus und seinen Wunsch verstehen. Und damit das ganze auch klappt  und ich oder sonst jemand nicht querschiesst will er das schriftlich fixieren lassen.  So ganz traut er mir ja nicht  :mrgreen:

Ja, ich weiß, komisches Thema gell ? Oft ein Tabu… nur – jeder muss mal sterben. Das gehört zum leben eben auch dazu.

Und wie er schon sagte wenn die Leute unbedingt Geld ausgeben wollen, es für Kränze und allem aber nicht können, dann sollen sie das tun was in seinem Sinn gewesen wäre und an  Günther Bloch und die Wolfsforschung spenden. Da ist das Geld wenigstens gut investiert.

Und genau das wäre auch in meinem Sinn. Und ich hoffe weiterhin das ich niemals ohne ihn sein werde !!!

Er ist nunmal das beste was mir in meinem Leben passieren konnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

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