Cyberlove

Wie es begann:Es war wieder einer jener Tage, an dem man nicht wußte was man eigentlich treiben sollte. Also setzte ich mich kurzerhand an meinen damals uralten Rechner und rief BTX auf um in meinem Lieblingssystem Atlantis zu chatten. Meine üblichen Bekannten waren auch alle dort. Dazu auch jemand neues den ich noch nicht kannte, aber schon öfter gesehen hatte. Also musste ich mal sehen wer das so ist und schrieb ihn/sie an. Ich erfuhr alles und nichts. In Scheidung lebend, alleinerziehend, 3 Kinder…hmmm. Also eine Frau !!!Über 2 Stunden schüttet wir uns gegenseitig unsere Herzen aus. Unterhielten uns über Kindererziehung, Beziehungsprobleme und was man sonst noch alles so zu bequatschen hatte. Bis der Zeitpunkt gekommen war, dass jeder wieder seinen Hausfraulichen Pflichten nachkommen musste. Mein/e Chatpartner/in verabschiedete sich daraufhin mit den Worten: Tschüß, Markus !!!
In dem Moment habe ich nur noch gestaunt. Entpuppte sich doch mein Gegenüber als Mann So aber kam es das wir fortan regelmässigen und regen Emailkontakt hielte. Ich erfuhr so auch das sein Vater der an Krebs erkrankt sei im sterben liegt. Bot ihm an mich anzurufen wenn er jemanden brauch und reden möchte. Dann siegte die Neugier. Ich wollte ihn kennenlernen. Und es war Sommer…..

Wir verabredeten ein Treffen am Mc Donalds in Leeheim und wollten von diesem aus dann an den Badesee, an dem ich in dieser Zeit fast täglich weilte. Also fuhr ich los – war zu früh dort – und wartete. Nach 10 Minuten kam ein Auto mit Kennzeichen LU. Das musste er sein.

Gespannt schaute ich wer da nun aus dem Auto stieg. Und da kam er dann. Diesen Anblick werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Bekleidet mit roten Bermudas, T-Shirt, Turnschuh und Basecap stand er vor mir. Zu den Bermudas zwei fürchterlich zugerichtete Beine ebenfalls in rot ( Mercurochrom). Des Rätsels Lösung: er war einen Tag vor dem Treffen fürchterlich mit seinem Rad gestürzt und hat sich beide Beine extrem zugerichtet. Als ich ihn so sah dachte ich: jetzt noch eine Schultüte in die Hand und ich lasse ihn einschulen.

Wir verbrachten dann 2 nette Stunden am Badesee. Ich war noch immer ungläubig das dieser Junge 3 fast erwachsene Kinder hat. Dann trennten sich unsere Wege wieder, da er seine Kinder nicht zu lange alleine lassen wollte. Wir schrieben uns noch eine Zeit lang bis dann sein Vater starb. Durch diesen Umstand verlor man sich leider mit der Zeit dann aus dem Augen. Meine damalige Beziehung zerbrach und ich zog im Oktober zurück in meine Heimat ( Westerwald).

Dort lebte ich schon einige Zeit, leitete eine Tankstelle und saß Abends nach getaner Arbeit wieder an meinem PC um zu chatten. Und wieder im Atlantis. Einen Abend sah ich dann einen Nick namens Genesis und schrieb diesen an. Jener genesis kam aus Ludwigshafen und hieß Markus. So fanden wir uns nach langem suchen wieder. Denn jeder von uns hatte zwischenzeitlich andere Nicknamen gehabt und wir hatten uns dadurch nicht mehr gefunden. Ich erzählte von meinem Umzug. Er sagte er hätte mich überall gesucht. Und mein Bild mit meinem 3 Kindern hinge, seit er mich am See traf an seinem PC.

Ab diesem Tag saß dann auch ich wieder abends am PC und chattet mit ihm. Da gerade die Vorweihnachtszeit war standen wir beide jeweils in unseren Küchen und backten mit den Kindern Plätzchen. Schnell beschloss man das man dies auch zusammen machen könne. So kam es das ich ihn für den 3.12.97 zu mir in den Westerwald einlud. An jenem Tag kam er allerdings alleine. Und das auch nach vielen Umwegen ( trotz Wegbeschreibung) weil es ihn ständig nach Köln zog

Abends um 22 Uhr hatte ich ihn dann das erste mal in meinem Armen. Wir verbrachten herrliche 2 Tage und der Abschied fiel uns mehr als schwer. Wann immer es ging fuhr ich dann nach Ludwigshafen.. Nach 8 Wochen hatten wir von der Hin und Herfahrerei dann doch die Nase voll und beschlossen, da wir uns sicher waren das und nichts mehr trennen könne, dass ich meine 7 Sachen packe und zu ihm nach Ludwigshafen ziehen solle.

Am 12.1.1998 war es soweit. Der Umzugswagen war schnell gepackt, die Möbel und mein Auto verschenkt. Markus fuhr den Lieferwagen während ich seinen Mazda-Kombi fuhr. Eine letzte Tasse Kaffee am MC Donalds im Westerwald und auf ging es in meine neue Heimat.

Allzulang währte die Fahrt nicht. Ich überholte ihn noch da er mit dem Lieferwagen langsamer war als ich, jedoch rammte mich wenige Kilometer weiter ein LKW und schleuderte mich in die Leitplanken.Nach dem Aufprall dort rutschte ich rückwärts über die 3spurige A3 dann in eine Schallschutzmauer, wo ich zum stehen kam. Der Schock war auf beiden Seiten gross. Ich selbst war voller Panik als ich realisierte das ich sein Auto zu Schrott gefahren habe. Ersthelfer hielten mich dann davon ab mir den Schaden anzusehen. Mit einem schweren Schock kam ich ins Krankenhaus Dierdorf das ich aber 3 Stunden später wieder verlassen konnte.

Der Weg nach Ludwigshafen im Lieferwagen war dann meine persönliche Hölle. Die A61 war ab Koblenz voller LKW´s die mich das fürchten lernten.

Somit begann unser Glück mit einem Knall !!!

Besiegelt haben wir dies alles dann am 09.07.1999 im Standesamt Böhl-Iggelheim

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